Meine ganz persönliche Geschichte zum Thema Zungenband
Wie alles begann
Als mich vor ein einigen Jahren die Stillberaterin Natascha Makoschey fragte, ob ich Säuglinge mit einem verkürzten Zungenband osteopathisch begleiten würde, musste ich erst einmal googeln, was ein Zungenband überhaupt ist.
Dieses Thema war absolutes Neuland für mich und bis dahin in keiner meiner Aus- oder Weiterbildungen angesprochen worden.
Nach einigen Seminaren wurde mir die Problematik der oralen Restriktionen und ihre möglichen Auswirkungen auf den gesamten Körper deutlich.
Bei den Bildern zur Zungenruhelage und den Tests zur Zungenbeweglichkeit wurde mir schnell klar, dass auch mein Zungenband zu kurz zu sein schien.
Der Beratungstermin und die Vorbereitung
Trotz dem erlernten Wissen brauchte ich 3 Jahre, um das Thema endgültig anzugehen und mich bei einer auf orale Restriktionen spezialisierten Ärztin vorzustellen.
Der Beratungstermin brachte Gewissheit. Ich hatte ein „posteriores Zungenband“
(d.h. mein Zungenband verhinderte, dass ich den hinteren Anteil meiner Zunge frei bewegen konnte).
In Kombination mit meinen Symptomen (ständige Kopfschmerzen, Nackenverspannungen, nächtliches Zähnepressen, unruhiger Schlaf) war die Entscheidung für eine Frenotomie mittels Laser getroffen.
Zur Vorbereitung machte ich 4 Wochen lang 2-3x täglich Übungen, um die zu schwach entwickelten Zungenmuskeln für die geplante Frenotomie zu kräftigen und den verspannte Mundboden zu lockern.
Die Frenotomie
Die Frenotomie fand unter lokaler Betäubung statt. Vom Lasern bekam ich, ausser dem Geruch :(, nichts mit und die rautenförmige Wunde wurde genäht.
Bild 1: Das Zungenband
Bild 2: Die rautenförmige Wunde
Bild 3: Dia Naht
Nachmittags schaffte ich einen kurzen Spaziergang und merkte, wie sich bereits Muskelkater im Mundboden und den kurzen Nackenmuskeln breit machten.
Ich ging sehr früh schlafen. Der Körper schien wie bekloppt zu arbeiten. Die Wunde zog ordentlich, aber mir genügte eine Ibuprofen 600 am Nachmittag und ich hatte eine gute Nacht.
Wie es nach der Frenotomie weiterging:
Die Übungen und die Nachsorge
Ab Tag 1 habe ich wieder „moderate“ Übungen gemacht, sehr moderate Übungen!
Die neu erworbene Zungenbeweglichkeit sollte ich 3x täglich beüben, damit die Wunde sich nicht verkürzt konnte und es nicht zum Reattachment kommt.
Was in den ersten Tagen aufgrund der schmerzenden Wunde nur stark eingeschränkt möglich war, wurde nach einer Woche zur Routine.
Beim Kontrolltermin nach 1 Woche wurden die verbliebenen Fäden, die sich noch nicht von selbst aufgelöst hatten, gezogen.
Jetzt durfte ich auch die Wunde selbst dehnen (was schon ordentlich gezwickt hat!)
6 Wochen tägliches Üben waren am Ende notwendig, damit meine Zunge sich an die neue Beweglichkeit gewöhnte und konstant die neue Zungenruhelage am Oberkiefer einnahm (und nicht wieder gegen die Schneidezähne drückte.).
Die Übungen habe ich in meinen Alltag integriert, denn auch
3 Monate später merke ich noch den leichten Zug der Narbe.
Das Essen
Das Essen war in der ersten Woche alles andere als schön.
In den ersten 2-3 Tagen habe ich Suppen, Joghurt und Bananen ohne Appetit gegessen, dazu schmerzte die Wunde zu sehr.
Dann ging es aber zügig aufwärts. Am 4. Tag konnte ich Schupfnudeln und weiches Brot schon wieder genießen.
Nach einer Woche war Essen wieder normal möglich.
Die Veränderungen
Ich hatte das große Glück, dass sich direkt positive Veränderungen zeigten.
- Mein Brustkorb konnte sich öffnen, die Schultern „fielen“ automatisch runter.
- Meinen Kopf konnte ich nach hinten neigen, ohne diese massive Dehnung der vorderen Halsfaszie.
- Ich konnte im Stehen ohne Mühen in den Bauch atmen.
(Mir wurde jetzt erst bewusst,
wie angestrengt meine Atmung gewesen war!)
- Meine Kopfschmerzen sind seitdem selten geworden.
- Ich presse in stressigen Situationen immer noch die Zähne aufeinander, aber der Druck auf den Kiefer hat stark nachgelassen.
- Mein Schlaf ist immer noch unruhig, aber ich habe tagsüber mehr Energie.
Ab Tag 5 ging ich wieder arbeiten.
P.s.
Dies sind meine ganz persönlichen Erfahrungen zum Thema Zungenband und Frenotomie.
Es handelt sich weder um Empfehlungen noch um Heilversprechen.
Es muss immer von einem / Einer dafür ausgebildeten Zahnarzt / Zahnärztin entschieden werden, ob orale Restriktionen vorliegen und ob eine Frenotomie sinnvoll ist.
Bei Säuglingen mit oralen Restriktionen bzw. mit Frenotomie verhalten sich manche Dinge anders, da die Wunde nicht genäht wird, kommt es auf ein gutes Wundmanagment an.
Alle Infos rund um ein verkürztes Zungenband findet ihr hier:
Der Zahnarztpraxis im Weisstal danke ich für die Fotos und Fr. Dr. Carolin König für meine gelungene Frenotomie!











